Archiv für August 2007

Arm durch Arbeit - Reich durch Hatz IV

Ein Beitrag zum Themengebiet Medien, geschrieben am 31. August 2007 von M.Maurer

Medienkritik

Auszug aus einem Artikel von Thomas Rudek, vom 09.06.2006:

Zur Psychologie der Zahlen: In den letzten Monaten hat der Paritätische Wohlfahrtsverband – in der Talk-Sendung „Berlin Mitte“ (ZDF) vertreten durch den Geschäftführer Ulrich Schneider – versucht,

  • a) die Kinderarmut zu einem öffentlichen Thema zu machen und
  • b) eine solide Datengrundlage für die zwingende Erhöhung des Regelsatzes von 345 € auf 420 € bereit gestellt.

Die neuen, oben genannten Zahlen wirken auf die thematische Akzentuierung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes wie eine Bombe: Wenn eine 4-köpfige Hartz-Familie im Monat angeblich netto 1885 € zur freien Verfügung hat, dann kann es keine Kinderarmut geben. Und wenn Erwerbslose für das Nichtstun 12 € die Stunde erhalten, wozu ist dann die Erhöhung des Regelsatzes erforderlich.

Wenn diese Zahlen dann kontrastiert werden mit den Brutto-Löhnen von Menschen, die im Niedriglohnsektor zu (tariflichen) Hungerlöhnen arbeiten, dann ist das neoliberale Arrangement perfekt und der wahrnehmungspsychologische „Lern“-Effekt garantiert: Der Boden für die Neidkultur zwischen prekär Beschäftigten und „Sozialschmarotzern“ ist bereitet, die Saat gestreut und im Herbst wird die Ernte eingefahren – höchstwahrscheinlich von den Tagelöhnern. Damit diese Saat nicht aufgeht, ist es allerhöchste Zeit sich mit dem propagierten Zahlenwerk näher zu befassen: Pisa-Nachhilfe, nicht nur für STERN-Redakteure.

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Man stelle sich vor:
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt zu Gast bei Sabine Christiansen erhält das Wort und während er sich in gewohnter Pose ins Bild setzt, wird unten im Bild dezent sein Vermögen, die Höhe seines letzten Jahreseinkommens, die entrichtete Steuer wie die Höhe der steuerlichen Rückerstattung eingeblendet. Seine Ausführungen über die Notwendigkeit, die Löhne weiter abzusenken und den Niedriglohnsektor weiter auszubauen, würden so eine ganz andere Bedeutung, zumindest aber eine neue Relation erhalten. Und wer weiß: Vielleicht würde diese kleine Zusatzinformation – anzuwenden auf jeden geladenen Talkgast – dann auch zu höheren Einschaltquoten führen…

Doch ob das wünschenswert ist? Gewiss würden dann die meisten Plaudertaschen das Rampenlicht der Scheinwerfer scheuen. Und das wäre dann doch wirklich ein Gewinn, oder?

Festzuhalten ist: 3,91 € Netto die Stunde erhält ein Erwerbsloser fürs “Nichtstun”.
Bis zu 2000 € die Stunde erhalten Hans Werner Sinn, Dieter Hundt und Hans-Ulrich Joerges für einen 1-stündigen Sendeauftritt bei Sabine Christiansen.
Dafür fällt der Schaden, denn diese Personen durch ihre dummes Geschwätz anrichten, um ein vielfaches höher aus. Und die Leser mögen selbst beurteilen, was besser ist: Nichts zu tun oder vorsätzlich die Massen aufzuhetzen und in die Irre zu führen.

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Raus aus der Statistik und rein in die 1-Euro-Jobs

Ein Beitrag zum Themengebiet Selbstverteidigung, geschrieben am 30. August 2007 von M.Maurer

Morgen ist Tag der Verkündigung Die Aufschwungs-Junkies bekommen wieder ihre Dosis “Hartz IV ist gut!” gespritzt. Halleluja!Üflü

Montag 27.8., 9:30 Uhr: Die Überflüssigen entern die Arbeitsagentur München.

Mission Aufklärung:
Gegen die immer dreisteren Lügen der offiziellen Arbeitslosen-Statistik eine aktive Gegendarstellung …und zwar vor Ort … und zwar rechtzeitig vor der nächsten Märchenstunde der Bundesagentur am 30. August.

Zutaten:
12 Überflüssige, 1 Großtransparent, 3 Poster, hunderte Aufklärungsflyer. und: Wut auf eine verhöhnende “Aufschwungs”-Propaganda, mundgerecht vom Kapital serviert
zur virtuellen Sättigung von immer mehr armen Schluckern. Schluckauf! ver_A_rscht!

Wie an jedem Monatsende müssen die leichten Gläubigen und die schweren Vermittelbaren wieder das Hosianna aus ihren unabstellbar implantierten Volksempfängern Zwangshören. Hört, hört! “Der Aufschwung setzt sich fort und schlägt auch auf die Arbeitslosen durch …”.
Ja - genauer gesagt: Er schlägt sie K.O. – noch mehr Zwangsarbeit und Niedrigstlohn. Sie teilen das trockene Hartz IV-Brot mit 1,2 Millionen erwerbstätigen “Aufstockern”, die “Arm trotz Arbeit” sind.

Die Überflüssigen prangern an:

Eine allmonatliche Märchenstunde der „Bundesagentur für Arbeit“ (BA) phantasiert Arbeitsmarktzahlen, die aus einer manipulierten Statistik eine Aufschwungsbotschaft machen sollen.
7,4 Millionen Arbeitslosengeld II-(ALG 2)-BezieherInnen (lt. deutscher Landkreistag 31.7.07) sind der Aufschwung!

Und der ist wirklich dauerhaft, denn 1,9 Millionen GeringverdienerInnen nehmen ihren Anspruch auf aufstockende ALG 2-Leistungen nicht wahr. Die „Spin Doctors“ der Bundesagentur für Arbeit (BA) leisten ganze Arbeit(!) und so verbleiben nur 2,63 Millionen ALG 2-BezieherInnen als Arbeitslose in der Statistik (Stand: Juni 07).

Raus aus der Statistik und rein in die 1-Euro-Jobs … liegt das Bermuda-Dreieck in Nürnberg?
Hier zeigt sich der wahre Charakter sowohl dieser neoliberalen Verkündung als auch eines korrupten journalistischen Großgewerbes, das die verordneten Erfolgsmeldungen ungeprüft nachbetet.

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Spezialdemokraten

Ein Beitrag zum Themengebiet Politik, Armutsbewirtschaftung, geschrieben am 29. August 2007 von M.Maurer

Platzeck, Steinmeier und Steinbrück in, “Auf der Höhe der Zeit“:

Der konsequente Erneuerungskurs der Regierung Schröder war ein guter Anfang. Er hat uns Sozialdemokraten wieder auf Augenhöhe mit der Wirklichkeit gebracht. Diesen Weg müssen wir deshalb entschlossen weitergehen, wenn wir die positive Wechselwirkung zwischen dynamischer Wirtschaft, stabiler Demokratie und sozialer Sicherheit weiter stabilisieren und verstetigen wollen.“

Statt “stabiler Demokratie” driften die braunen Horden mittlerweile in die Parlamente und statt “sozialer Sicherheit” haben wir einen repressiven “Sozial-Arbeitssklaven-Staat” und sind auf dem besten Weg zur Wiedereinführung von Arbeitslagern.

Eine “dynamische Wirtschaft” haben wir allerdings auch. Sie ist so “dynamisch” und erzeugt soviel Reichtum das die Eigentümer es sich mittlerweile leisten können ihr Geld an den Finanzmärkten zu vernichten. Was sollen sie auch damit machen, essen kann man es ja nicht.

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Die schöne Welt der Finanzmärkte

Ein Beitrag zum Themengebiet Wirtschaft, geschrieben am 24. August 2007 von M.Maurer

Vor vier Wochen schien die Welt noch in Ordnung: Weltökonomie und Finanzmärkte boomten. Jetzt haben wir einen Börsenkrach auf Raten, der in eine Geldmarktkrise mündet - die Zentralbanken pumpen unablässig Kapital auf die Finanzmärkte.

In Deutschland ist besonders die Sachsen LB ins Schlingern geraten und muss mit einer Überlebensdosis von 17,3 Milliarden Euro durch Sparkassen und andere Landesbanken aufgefangen werden. Der Freistaat Sachsen bürgt für diese extrem hohe Summe, die den Landeshaushalt eines Jahres übersteigt.

Die politische Klasse übt sich in Gesundbeterei, aber alle Beteiligten wissen, das ganz dicke Ende kommt noch. Spätestens, wenn weitere Spekulationsblasen platzen. Im Moment wird die schöne neue Weltordnung der “liberalisierten” internationalen Finanzmärkte einem Härtetest unterzogen. Das populäre Dogma, die Finanzmärkte - mithin die Weltwirtschaft - seien um so “effizienter” und “stabiler” je deregulierter und liberalisierter sie sind, dieser Köhlerglaube ist dahin. Allerorten wird nach Regeln und Zügeln für die Finanzmarktakteure geschrieen. (Quelle: Michael R. Krätke in Freitag)

(Anm.: MM) Tja, das liebe Geld. Es wird leider allzugerne “vergessen” den Menschen zu sagen das es sich beim Geld leider nur um bunt bedruckte Papierscheinchen handelt die ohne einen entsprechenden Gegenwert in der realen Wirtschaft, eben nur das Papier auf dem sie gedruckt wurden “Wert” sind.

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Kauder singt das Lied “Vom armen Werktätigen”

Ein Beitrag zum Themengebiet Armutsbewirtschaftung, geschrieben am 23. August 2007 von M.Maurer

Der “Christ”-Demokrat Kauder:
Die Summe der Leistungen für Alleinstehende belaufen sich einschließlich der Kosten für Wohnung und Heizung auf rund 840 Euro monatlich” sagte Kauder dem Nachrichtenmagazin FOCUS. “Mancher Alleinstehende in einem normalen Beruf hat auch kaum mehr.“ (Focus-Online, 19.08.2007; 9:50 Uhr) (Quelle: Nachdenkseiten)

Dazu das Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe e.V.
(BIAJ): Erst bei einem monatlichen Bruttolohn von knapp 1.300 Euro entfällt der Anspruch auf Arbeitslosengeld II vollständig. (bei unterstellten Miet- und Heizungskosten in Höhe von 325 Euro)

Mit anderen Worten: Der Anspruch auf Arbeitslosengeld II entfällt bei einem Stundenlohn von knapp 7,50 Euro und einer 40-Stunden-Woche – und natürlich auch bei einer „über 60-Stunden-Woche“ mit dem von Volker Kauder in seinem 840 Euro-Vergleich unterstellten Bruttolohn von 4,89 Euro pro Stunde.
Zusammengefasst: Mit seiner 840-Euro-Meldung gegen eine Erhöhung der Hartz IV-Regelleistung hat Volker Kauder den Zusammenhang zwischen Hartz IV und dem unter anderen von den Gewerkschaften geforderten Mindestlohn von 7,50 Euro verdeutlicht.

Dazu mit meinen Worten: Die “Arbeitsmarktreformen” hatte niemals das Ziel den “Betroffenen” zu helfen, sondern sie sollten dermaßen in Ihrer psychischen und physischen Existenz bedroht werden, damit sie willig jeden Hungerlohn annehmen und so dem freien Fall der “regulären” Löhne Tür und Tor öffnen.

Deshalb ist ein Mindestlohn von lächerlichen 7,50 Euro auch lediglich ein provisorischer Haltepflock.

10,- Euro pro Stunde ist das absolute Minimum!

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