Soziales
Ein Beitrag zum Themengebiet Armutsbewirtschaftung, geschrieben am 31. März 2009 von M.MaurerDie Stadt Göttingen lenkt ein:
Bettelndem Hartz-IV-Empfänger werden Sozialleistungen nicht gekürzt
Quelle: Tagesspiegel
Anmerkung Orlando Pascheit: Das war mitnichten “unsensibel”, wie das niedersächsische Sozialministerium verlauten lässt, sondern zutiefst inhuman. Das erinnert an eine Blockwartmentalität, die u.a an bestimmten Gedenktagen mit einem “Nie wieder” bedacht wird. Welche Art Pflichtbewusstsein wird in unseren Sozialämtern herangezüchtet, muss man sich fragen. Anscheinend werden die Menschen dort so verbogen, denn der Fall ist kein Einzelfall. Ich kann mir, will mir einfach nicht vorstellen, dass ein Mensch von vornherein mit einer solchen Inhumanität ausgestattet in den Sozialdienst tritt. Es muss schon irgendwie mit diesem Dienst zu tun haben, der Allmachtphantasien in einem armen bürokratischen Würstchen weckt. Vielleicht bedürfen die Mitarbeiter unserer Sozialdienste einer stärkeren Betreuung, damit das Bedürfnis, sich gegen Hartz-IV-Empfänger abzugrenzen, nicht so ausartet, sondern Sozialdienst als Dienst empfunden wird. Das Traurige ist, dass diese Inhumanität von Politikern, wie Wolfgang Clement (SPD) seinerzeit mit der Rede von ” Abzocke und Selbstbedienung im Sozialstaat”, gedanken- wie bedenkenlos befördert wird.
[ Nachdenkseiten ]
Wie gesagt, wehret den Anfängen.
“Aufrechte Demokraten” haben sich die Hartz-Gesetze ausgedacht. Nicht Dienst am Menschen war die Motivation welche sie trieb, sondern Kosten sparen und für den Rest der Beschäftigten einen Niedriglohnsektor etablieren. Ständig die Drohkulisse des Hartz-Regimes vor Augen, wurden die Gewerkschaften niedergerungen und Arbeitnehmerrechte abgebaut, Flächentarifverträge ausgedünnt, Zeit- und Leiharbeit eingeführt. Angst hat sich in deutschen Betrieben breit gemacht, Angst vor dem sozialen Abstieg. Und mit der Angst der Beschäftigten wächst die Macht der Chefs, welche zunehmend glauben sie könnten sich alles erlauben.
Man kann ja durchaus der Meinung sein das dies das beste für Deutschland sei, doch wenn die “Aufrechten Demokraten” hierzu Millionen Menschen als Faulenzer Schmarotzer und Parasiten diffamieren dann wird die Grenze von der Demokratie zum Faschismus plötzlich sehr dünn. Es gab zur Nazizeit Aktionen gegen “Arbeitsscheue” und “Zwangsarbeit” hat in Deutschland ebenfalls Tradition.
Wer glaubt dies sei heute in Deutschland nicht mehr möglich, ist mehr als blauäugig.
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