Die “dringend notwendige Sozialstaatsdebatte” der Reichen und Mächtigen ist immer noch in vollem Gange.
In der deutschen Wirtschaft und ihren Medien herrscht die Befürchtung, eine “Reform der Reform” könnte zu einer Erhöhung der Regelsätze und damit zu einem Ende des ungehemmten Lohndumpings in Deutschland führen.
Gemäß den kapitalistischen Verwertungsideologien konzentriert man sich dabei auf 2 Punkte:
1. “Arbeit muss sich wieder lohnen” als Floskel für ein “Lohnabstandsgebot” zwischen HartzIV-Empfängern und Tagelöhnern
2. “Keine Leistung ohne Gegenleistung” als Floskel zur Wiedereinführung des “sozialen” Reichsarbeitsdienste
Prinzip von Leistung und Gegenleistung
Das marktradikale und arbeitgeberfinanzierte “Institut zur Zukunft der Arbeit” (das sind die mit der Idee der Arbeitslosen-Versteigerung) hat dazu ein hochwissenschaftliches “Forschungsexperiment” durchgeführt:
“Drei Studenten sitzen in einem Raum und sortieren Blätter. Dafür bekommen sie sechs Euro die Stunde. Plötzlich kommt der Chef herein und verkündet, dass er einen feuern muss. Damit der Entlassene über die Runden kommt, sollen die anderen beiden einen Teil ihres Lohns an ihn abtreten. Dafür dürfen sie aber entscheiden, ob er das Geld ohne weitere Gegenleistung erhält, oder ob er ein bisschen unterstützen muss beim Blättersortieren. Alle drei Studenten votieren für die Mithilfe. Begründung: „Weil das gerecht ist.“
„Diese logische Denkweise ist in unserem sozialen Sicherungssystem abhanden gekommen“, sagt der Direktor für Arbeitsmarktpolitik am IZA, Hilmar Schneider. (Focus)
Tolle Logik: Die Wirtschaft entlässt ein Drittel der Arbeitnehmer und als “Gegenleistung” für ihre Arbeitslosenunterstützung dürfen sie an ihrem alten Arbeitsplatz zum Nulltarif (für die Arbeitgeber) weiter arbeiten.
Und der Rest der Belegschaft finanziert das Ganze über “Lohnsharing”.
Und weil der Arbeitgeber zukünftig für ein Drittel seiner Belegschaft keinerlei “Lohnkosten” mehr hat, ist das Ganze natürlich “fair” und “sozial gerecht“.
Der Arbeitslosen-Versteigerer Hilmar Schneider (IZA-Direktor) sagt dazu:
„Was uns im Studentenexperiment noch als fair erscheint, gilt in der Debatte um Langzeitarbeitslose und Hartz IV nicht mehr.“
Das passt dann natürlich wieder zu Roland Kochs Vorschlag, Arbeitslosenhilfe regulär an den Fließbändern der Kapitalbesitzer “abarbeiten” zu lassen.
Das ist für den “Focus” der FDP natürlich eine willkommen Vorlage, um die braune Suppe seines Helden Westerwelle am köcheln zu halten:
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