… Hungerstreik?
“Warum wählen immer mehr Menschen das letzte Mittel des Protestes? Die Antwort liegt nahe: Wenn Menschen keine Lobby besitzen, müssen sie um so lauter schreien, um überhaupt gehört zu werden. Zudem ist die verzweiflung groß und viele Menschen fühlen sich im Stich gelassen. Ein gefährlicher Protest, denn die Nahrungszufuhr aus Protest und Verzweiflung zu verweigern, könnte schlimme gesundheitliche Folgen haben. Die Betroffenen nehmen sogar den Tod in Kauf. Umso wichtiger ist die Arbeit der unabhängigen Beratungsstellen, damit den Menschen mit Rat und Tat zur Seite gestanden werden kann. Doch die Mittel für solche Einrichtungen sind in den letzten Jahren extrem zusammen gekürzt worden, so dass vieler Orts überhaupt keine unabhängige Beratung mehr möglich ist. (16.04.2010)”
[ Quelle: www.gegen-hartz.de ]
Ich hatte vergangene Woche anlässlich eines gewerkschaftlichen Seminars die Gelegenheit mich mit Menschen die “in Arbeit” stehen zu unterhalten und Kennen zu lernen. Betriebsräte und Vertrauensleute aus Groß-, aber auch Kleinbetrieben.
Zum wiederholten Mal konnte ich feststellen das deren Lebenswelten und die “Lebenswelt der Hartz-IV-Opfer” so grundverschieden sind, das ein “gemeinsamer Lernprozess” der zu “gemeinsamem Handeln” führt, dringend notwendig ist.
Doch dazu müssten die Menschen zunächst mal ihre eigene Lage erkennen.
Dies zu verhindern ist Aufgabe staatlicher Systemfunktionsträger. Solange in “beiden” Bevölkerungsgruppen das Vorurteil, “Arbeitslose wollen nicht arbeiten”, gefördert und immer wieder neu auf die Tagesordnung der Systemmedien gebracht wird, kann man von vorsätzlichem Handeln sprechen. Wir nennen dies Volksverhetzung.
Wobei die Funktionsträger nicht wirklich die “gefährlichen” Menschen sind, sondern diejenigen die ihnen zujubeln.
Wo ihre Bemühungen, verantwortlich zu handeln, frustriert werden, wo sie sich unfähig sehen, ihre Gaben zu gebrauchen, da leiden Menschen.
“Dieses Leiden, das der Ohnmacht zuzuschreiben ist, wurzelt eben darin, dass das menschliche Gleichgewicht gestört ist.” Aber die Unfähigkeit zu handeln, die die Angst der Menschen hervorruft, bringt sie auch dazu, ihre Ohnmacht abzuschütteln, indem sie versuchen,
“ihre Fähigkeit, zu handeln, zu erneuern. Aber können sie das, und wie?
EinWeg besteht darin, sich einem Menschen oder einer Gruppe zu unterwerfen, sich mit denen zu identifizieren, die Macht haben. Durch diese symbolische Teilnahme am Leben eines Anderen haben die Menschen die Illusion des Handelns, wo sie in Wirklichkeit sich nur unterwerfen und ein Teil derer werden, die tatsächlich handeln.”
[ Paolo Freire, Pädagogik der Unterdrückten, S. 62-63 ]